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Zahnerhalt

Zähne erhalten – weil der eigene Zahn etwas Besonderes ist

Moderne Zahnmedizin kann fehlende Zähne heute auf beeindruckende Weise ersetzen. Implantate, Keramik und digitale Behandlungsmethoden ermöglichen Lösungen, die noch vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar waren.
Trotzdem bleibt ein gesunder oder sinnvoll behandelbarer eigener Zahn etwas Besonderes.

Er ist nicht einfach im Knochen befestigt, sondern über seinen natürlichen Zahnhalteapparat elastisch mit ihm verbunden. Feine Fasern, Gefäße und Sinneszellen helfen dabei, Druck und Kaubelastung wahrzunehmen und abzufedern. Auch das beste Implantat kann dieses biologische System nicht vollständig nachbilden.
Deshalb prüfen wir sorgfältig, ob ein gefährdeter Zahn erhalten werden kann, bevor wir über seine Entfernung und einen Ersatz nachdenken.

Mehr über Endodontie
Mehr über Parodontologie

Zahnerhalt steht bei uns vor Zahnersatz – solange er medizinisch sinnvoll und langfristig verantwortbar ist.

Ein Zahn kann von innen und von außen gefährdet sein

Die Zukunft eines Zahnes entscheidet sich im Wesentlichen an zwei Stellen.
Im Inneren befindet sich die Pulpa, häufig vereinfacht als Zahnnerv bezeichnet. Sie kann durch tiefe Karies, einen Unfall, Risse oder frühere Behandlungen erkranken. Hier setzt die Endodontie an.
Von außen wird der Zahn durch Zahnfleisch, Faserapparat und Kieferknochen gehalten. Entzündet sich dieses Fundament und geht Knochen verloren, sprechen wir von einer Parodontitis. Hier setzt die Parodontologie an.
Beide Erkrankungen können lange unbemerkt bleiben. Beide können einen Zahn gefährden. Und beide lassen sich heute häufig erfolgreicher behandeln, als viele Patienten vermuten.

Zahnerhalt bedeutet nicht, jeden Zahn um jeden Preis zu behalten

Ein verantwortungsvoller Zahnerhalt braucht eine ehrliche Prognose.
Nicht jeder Zahn kann oder sollte erhalten werden. Eine tiefe Fraktur, eine nicht kontrollierbare Entzündung, zu wenig verbleibende Zahnsubstanz oder ein weit fortgeschrittener Verlust des Zahnhalteapparats können dazu führen, dass eine Entfernung die medizinisch bessere Entscheidung ist.
Umgekehrt sollte ein schwieriger Zahn nicht allein deshalb aufgegeben werden, weil seine Behandlung anspruchsvoll ist.

Wir beurteilen deshalb:

  • Welche Ursache gefährdet den Zahn?
  • Kann diese Ursache zuverlässig behandelt werden?
  • Wie viel gesunde und stabile Zahnsubstanz ist vorhanden?
  • Ist das Fundament des Zahnes ausreichend?
  • Kann der Zahn anschließend funktionell und bakteriendicht versorgt werden?
  • Welche Belastungen wirken langfristig auf ihn?
  • Stehen Behandlungsaufwand und Prognose in einem vernünftigen Verhältnis?

Das Ziel ist weder Zahnerhalt um jeden Preis noch ein vorschneller Ersatz. Das Ziel ist eine Entscheidung, die biologisch, funktionell und langfristig sinnvoll ist.

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Moderne Möglichkeiten verschieben die Grenzen des Zahnerhalts

Die Zahnmedizin hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt.
Bei einer tiefen Karies kann heute unter bestimmten Voraussetzungen ein Teil des vitalen Pulpagewebes erhalten werden, anstatt sofort eine vollständige Wurzelkanalbehandlung durchzuführen.

Erkrankte Wurzelkanalsysteme lassen sich mit modernen Aufbereitungs-, Spül- und Fülltechniken kontrollierter behandeln. Auch bei einem bereits wurzelgefüllten Zahn mit einer erneuten Entzündung kann eine Revision eine zweite Chance eröffnen.
In der Parodontologie können systematische Diagnostik, gründliche nichtchirurgische Behandlung und eine konsequente Nachsorge dazu beitragen, Entzündungen zu kontrollieren und das verbleibende Fundament der Zähne langfristig zu stabilisieren.
Und wenn verlorene Zahnsubstanz anschließend wieder aufgebaut werden muss, ermöglichen adhäsive und keramische Verfahren häufig eine Versorgung, bei der mehr vom natürlichen Zahn erhalten bleibt.

Zwei Wege mit einem gemeinsamen Ziel

Endodontie

Den Zahn von innen erhalten

Bei tiefer Karies, einer Entzündung des Zahnnervs oder einer Entzündung an der Wurzelspitze prüfen wir, ob eine Pulpotomie, eine erstmalige Wurzelkanalbehandlung oder die Revision einer früheren Behandlung den Zahn erhalten kann.

Mehr über Endodontie

Parodontologie

Das Fundament der Zähne erhalten

Bei einer Parodontitis behandeln wir nicht nur einzelne Zahnfleischtaschen. Wir betrachten die Erkrankung systematisch, reduzieren die Entzündung und entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine langfristige Strategie, um Zähne und Zahnhalteapparat zu stabilisieren.

Mehr über Parodontologie

Erst erhalten, dann ersetzen

Wenn ein Zahn trotz aller sinnvollen Möglichkeiten nicht mehr erhalten werden kann, verfügen wir über moderne und sehr zuverlässige Wege, ihn zu ersetzen. Diese Entscheidung treffen wir dann auf einer sorgfältig untersuchten und nachvollziehbaren Grundlage. Unsere Erfahrung mit Implantaten macht den Zahnerhalt für uns nicht weniger wichtig – sondern noch wichtiger. Denn wir kennen die Möglichkeiten eines Implantats ebenso wie die Eigenschaften, die nur ein natürlicher Zahn besitzt.

Implantate ersetzen fehlende Zähne. Endodontie und Parodontologie helfen uns dabei, dass es möglichst lange nicht so weit kommen muss.

Endodontie – den eigenen Zahn erhalten, wenn es schwierig wird

Eine tiefe Karies, ein entzündeter Zahnnerv oder eine Entzündung an der Wurzelspitze bedeuteten früher häufig das Ende eines Zahnes. Heute können wir viele dieser Zähne erhalten – teilweise sogar, ohne das vitale Gewebe vollständig aus den Wurzelkanälen zu entfernen.
Die moderne Endodontie kennt deshalb nicht nur eine einzige Behandlung. Abhängig davon, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, unterscheiden wir drei Wege:

  1. Vitalerhaltung durch eine Pulpotomie →
  2. erstmalige Wurzelkanalbehandlung →
  3. Revision einer bereits vorhandenen Wurzelfüllung →

Unser gemeinsames Ziel bleibt bei allen drei Möglichkeiten dasselbe:
Wir möchten Ihren natürlichen Zahn erhalten, wenn dies medizinisch sinnvoll und mit einer verlässlichen Prognose möglich ist.

1. Pulpotomie – wenn der Zahnnerv teilweise vital bleiben kann

Nicht jeder Kontakt mit dem Zahnnerv erfordert eine vollständige Wurzelkanalbehandlung

Reicht eine tiefe Karies bis an den Zahnnerv, wurde früher häufig automatisch das gesamte Pulpagewebe aus der Zahnkrone und den Wurzelkanälen entfernt.
Heute wissen wir, dass dieses Vorgehen nicht in jedem Fall notwendig ist.
Wenn die Voraussetzungen stimmen, können wir das entzündete Gewebe aus der Pulpenkammer entfernen und gleichzeitig die vitale Pulpa innerhalb der Zahnwurzeln erhalten. Dieses Verfahren wird Pulpotomie genannt.
Die Behandlung kommt besonders bei jüngeren Patienten und bei Zähnen mit einer guten biologischen Reaktionslage infrage. Entscheidend ist jedoch nicht allein das Alter. Wichtig sind der klinische Befund, die Beschwerden, die Reaktion des Zahnes und insbesondere der Zustand des verbleibenden Pulpagewebes während der Behandlung.

Wie funktioniert eine Pulpotomie?

Nach Entfernung der tiefen Karies wird beurteilt, ob eine Vitalerhaltung erfolgversprechend erscheint. Das entzündete Gewebe in der Pulpenkammer wird sorgfältig entfernt.
Anschließend kontrollieren wir, ob das in den Wurzeln verbleibende Gewebe eine gesunde beziehungsweise kontrollierbare Reaktion zeigt. Ist dies der Fall, wird es mit einem bioaktiven Kalziumsilikatzement geschützt und dicht abgedeckt.
Danach erhält der Zahn eine stabile definitive Versorgung.
Das Ziel ist, die Vitalität innerhalb der Wurzeln zu bewahren und eine vollständige Entfernung des Pulpagewebes zu vermeiden. Dadurch bleibt ein größerer Teil des natürlichen biologischen Systems des Zahnes erhalten.

Ist eine Pulpotomie immer möglich?

Nein. Ob eine Pulpotomie sinnvoll ist, lässt sich nicht allein anhand eines Röntgenbildes oder der Schmerzbeschreibung entscheiden. Die endgültige Beurteilung erfolgt häufig erst während der Behandlung.

Zeigt sich, dass die Entzündung bereits tiefer in das Wurzelkanalsystem vorgedrungen oder das Gewebe nicht mehr ausreichend vital ist, ist eine vollständige Wurzelkanalbehandlung der zuverlässigere Weg.

Die Pulpotomie ist deshalb keine verkürzte Wurzelbehandlung. Sie ist eine eigenständige, biologisch orientierte Behandlung für sorgfältig ausgewählte Situationen.

2. Die klassische Wurzelkanal­behandlung

Wenn der Zahnnerv nicht mehr erhalten werden kann

Ist die Pulpa bis in die Wurzelkanäle irreversibel geschädigt oder bereits abgestorben, muss das erkrankte Gewebe vollständig entfernt werden.
Das klingt zunächst einfach. Das Wurzelkanalsystem ist jedoch kein einzelnes gerades Röhrchen. Es kann aus mehreren sehr feinen, gekrümmten und miteinander verbundenen Kanälen bestehen. Seitenkanäle, Verzweigungen und unregelmäßige Hohlräume machen die gründliche Reinigung anspruchsvoll.
Eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung bedeutet deshalb weit mehr, als lediglich „den Nerv zu ziehen“. Entscheidend ist, das gesamte erreichbare Kanalsystem möglichst gründlich zu reinigen, zu desinfizieren und anschließend dauerhaft abzudichten.

Eine saubere Grundlage von Anfang an

Wir behandeln den Zahn unter Kofferdam. Dieses elastische Tuch schirmt ihn vom übrigen Mundraum ab und verhindert, dass Speichel und neue Bakterien in das geöffnete Kanalsystem gelangen.
Ist der Zahn durch Karies oder den Verlust alter Füllungen stark beschädigt, erhält er zunächst eine stabile Aufbaufüllung. Sie schafft klare, dichte Verhältnisse und ermöglicht es uns, die eigentliche Wurzelkanalbehandlung kontrolliert durchzuführen.
Zu den wesentlichen Behandlungsschritten gehören:
sichere Isolation mit Kofferdam
Entfernung des erkrankten oder abgestorbenen Pulpagewebes
Bestimmung der Kanallängen
mechanische Aufbereitung der erreichbaren Wurzelkanäle
gründliches, abgestimmtes Spül- und Desinfektionsprotokoll
Trocknung und Kontrolle des Kanalsystems
dreidimensionale, möglichst dichte Wurzelfüllung
stabiler und bakteriendichter Verschluss des Zahnes
Jeder dieser Schritte beeinflusst die spätere Prognose.

Wurzelkanalbehandlung in einer Sitzung

Wenn der Befund und die klinische Situation es erlauben, können wir eine Wurzelkanalbehandlung häufig in einer Sitzung abschließen.
Das erspart eine provisorische Zwischenphase und ermöglicht, das gereinigte Kanalsystem unmittelbar dicht zu verschließen. Ob dieses Vorgehen sinnvoll ist, entscheiden wir jedoch nicht nach dem Kalender, sondern nach der Situation im Zahn.
Eine Entzündung richtet sich schließlich nur selten nach den freien Terminkapazitäten einer Zahnarztpraxis.
Müssen wir zunächst im Rahmen eines Notfalltermins eingreifen, nehmen wir uns trotzdem ausreichend Zeit, um eine verlässliche Grundlage für die definitive Behandlung zu schaffen. Dazu gehören insbesondere eine saubere Isolation, ein stabiler Aufbau und eine gründliche erste Reinigung.
Ein schneller Schmerzhilfetermin darf die spätere Prognose des Zahnes nicht verschlechtern.

Biokeramische Materialien für den Wurzelkanal

Für den Verschluss des aufbereiteten Kanalsystems verwenden wir biokeramische Materialien.
Diese sogenannten Biosealer besitzen eine hohe Gewebeverträglichkeit und unterstützen einen dichten Abschluss auch in komplexen Bereichen des Wurzelkanalsystems. Sie schaffen günstige Voraussetzungen dafür, dass eine Entzündung im Bereich der Wurzelspitze ausheilen und sich das umgebende Gewebe regenerieren kann.
Eine Heilung kann niemals garantiert werden. Unser Ziel ist jedoch, durch sorgfältige Desinfektion und einen biologisch verträglichen Verschluss die bestmöglichen Bedingungen dafür zu schaffen.

3. Revision – die Königsdisziplin der Endodontie

Wenn ein bereits wurzelbehandelter Zahn erneut Probleme bereitet

Auch an einem bereits wurzelbehandelten Zahn kann sich später eine Entzündung entwickeln. Mögliche Ursachen sind beispielsweise:

  • ein ursprünglich nicht behandelter zusätzlicher Wurzelkanal
  • Bakterien in schwer zugänglichen Verzweigungen
  • eine zu kurze oder undichte alte Wurzelfüllung
  • eine undichte Füllung oder Krone
  • erneute Karies
  • eine komplizierte ursprüngliche Kanalanatomie
  • Eine solche Entzündung bedeutet nicht automatisch, dass der Zahn gezogen werden muss.

Bei einer Revision öffnen wir den Zahn erneut, entfernen die vorhandenen Wurzelfüllmaterialien und versuchen, bislang unbehandelte oder nicht ausreichend desinfizierte Bereiche zu erreichen.

Warum ist eine Revision besonders anspruchsvoll?

Der Weg in die Wurzelkanäle ist bei einer Revision häufig durch alte Materialien, Aufbauten, Stifte oder Veränderungen im Zahn erschwert. Gleichzeitig soll möglichst wenig zusätzliche Zahnsubstanz verloren gehen.

Die entscheidenden Fragen lauten:

  • Können wir die Ursache der Entzündung erkennen?
  • Lassen sich alte Materialien sicher entfernen?
  • Sind bislang übersehene Kanäle erreichbar?
  • Ist genügend stabile Zahnsubstanz vorhanden?
  • Gibt es Hinweise auf einen Riss oder eine Wurzelfraktur?
  • Lässt sich der Zahn anschließend wieder zuverlässig verschließen und stabilisieren?

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann eine Revision dem Zahn noch viele wertvolle Jahre ermöglichen.

Nicht jeder Zahn ist revidierbar und nicht jede Revision ist sinnvoll. Wir beurteilen deshalb vor Beginn ehrlich, ob Aufwand, Risiken und zu erwartende Prognose in einem vernünftigen Verhältnis stehen.

Nach der Wurzelbehandlung: Der Zahn muss geschützt werden

Mit der Wurzelfüllung allein ist die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Viele wurzelbehandelte Zähne haben durch Karies, alte Füllungen und den Zugang zum Kanalsystem bereits erhebliche Substanz verloren.

Damit der Zahn langfristig erhalten bleibt, muss er anschließend bakteriendicht verschlossen und mechanisch stabilisiert werden.

Abhängig von der vorhandenen Zahnsubstanz kann dafür eine adhäsive Füllung, ein Onlay, eine Teilkrone oder eine Krone erforderlich sein. Unser Ziel ist auch hier die kleinste Versorgung, die den Zahn zuverlässig schützt.

Wenn es die Situation erlaubt, können wir die definitive keramische Stabilisierung im Rahmen unserer Keramikversorgung in einer Sitzung direkt in der Praxis herstellen.

Warum dieser Aufwand, wenn es Implantate gibt?

Implantate sind eine hervorragende Möglichkeit, einen Zahn zu ersetzen, der fehlt oder nicht mehr sinnvoll erhalten werden kann.
Sie sind jedoch kein gleichwertiger Grund, einen behandelbaren natürlichen Zahn vorschnell zu entfernen.

Ein eigener Zahn ist ein hochentwickeltes biologisches System. Er ist über den Zahnhalteapparat – das Parodontium – elastisch im Knochen aufgehängt. Diese Verbindung federt Belastungen ab und vermittelt dem Nervensystem sehr feine Informationen über Druck, Berührung und Kaubelastung.

Ein Implantat ist dagegen direkt mit dem Knochen verbunden. Es kann sehr zuverlässig funktionieren, aber den natürlichen Zahnhalteapparat mit seinen Fasern, Gefäßen und Sinneszellen nicht vollständig nachbilden.

Deshalb lautet unsere Haltung:

Implantate ersetzen fehlende Zähne. Sie ersetzen nicht unsere Bereitschaft, erhaltungsfähige natürliche Zähne zu behandeln.

Natürlich darf Zahnerhalt nicht zum Selbstzweck werden. Wenn ein Zahn tief frakturiert, nicht mehr stabil restaurierbar oder trotz sorgfältiger Behandlung ohne vernünftige Prognose ist, kann seine Entfernung die bessere Entscheidung sein.
Solange jedoch eine realistische Chance auf einen langfristigen Erhalt besteht, prüfen wir sie sorgfältig.
Denn das beste Implantat ist eine großartige Lösung für einen fehlenden Zahn. Der beste Zahn bleibt – wann immer möglich – der eigene.

Parodontitis behandeln – gemeinsam das Fundament Ihrer Zähne erhalten

Parodontitis nervt.
Wir verstehen das.

Parodontitis gehört kommunikativ zu den anspruchsvollsten Erkrankungen in der Zahnmedizin.

Sie beginnt meistens schleichend. Oft tut nichts weh, und viele Patienten bemerken lange Zeit überhaupt nicht, dass sich der Zahnhalteapparat verändert. Dann misst die Dentalhygienikerin bei einem Prophylaxetermin plötzlich auffällige Zahnfleischtaschen – und empfiehlt eine Behandlung, mit der der Patient nicht gerechnet hat. Die Begeisterung hält sich verständlicherweise häufig in Grenzen.

Man fühlt sich gesund, hat keine Schmerzen und soll trotzdem mehrere Termine wahrnehmen, die häusliche Mundhygiene verändern und anschließend dauerhaft häufiger zur Nachsorge kommen.

Wir können gut verstehen, dass das zunächst lästig und manchmal auch frustrierend wirkt. Trotzdem ist gerade der frühe Behandlungsbeginn so wichtig: Je eher wir die Entzündung kontrollieren, desto mehr gesundes Fundament können wir erhalten und desto besser ist in der Regel die langfristige Prognose der betroffenen Zähne.

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Parodontitis – Was steckt dahinter?

Was geschieht bei einer Parodontitis?

Ein Zahn steht nicht einfach fest im Kieferknochen. Er ist über einen feinen Faserapparat mit dem Knochen verbunden und wird von Zahnfleisch umgeben.
Bei einer Parodontitis reagiert dieser Zahnhalteapparat entzündlich auf einen krankmachenden bakteriellen Biofilm. Das Zahnfleisch löst sich zunehmend von der Zahnoberfläche, es entstehen vertiefte Taschen und mit der Zeit kann Kieferknochen verloren gehen.

Das Heimtückische daran: Dieser Vorgang verursacht häufig lange keine Schmerzen.

Mögliche Hinweise können sein:

  • Zahnfleischbluten
  • gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch
  • unangenehmer Geschmack oder Mundgeruch
  • zurückgehendes Zahnfleisch
    länger wirkende Zähne
  • Eiteraustritt aus Zahnfleischtaschen
    zunehmende Zahnbeweglichkeit
  • Veränderungen der Zahnstellung

Viele Patienten bemerken die Erkrankung jedoch erst, wenn bereits deutliche Schäden entstanden sind. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen und Taschenmessungen so wichtig.

Warum entsteht eine Parodontitis?

Der unmittelbare Auslöser ist ein bakterieller Biofilm an und unter dem Zahnfleischrand. Ob und wie schnell daraus eine Parodontitis entsteht, hängt jedoch stark von der individuellen Reaktion des Körpers und zusätzlichen Risikofaktoren ab.

Dazu gehören insbesondere:

  • persönliche beziehungsweise genetische Anfälligkeit
  • Rauchen
  • Diabetes, vor allem bei unzureichender Blutzuckereinstellung
  • unzureichende häusliche Mundhygiene
  • unregelmäßige professionelle Betreuung
  • zunehmendes Lebensalter und die damit längere Erkrankungsdauer
  • anhaltende Belastungen und Stress
  • allgemeine Gesundheit und Lebensweise

Auch Ernährung und Stoffwechselgesundheit können das entzündliche Umfeld beeinflussen. Eine stark zuckerhaltige Ernährung ist jedoch nicht alleinige Ursache einer Parodontitis.

Knirschen und Pressen verursachen die bakterielle Erkrankung ebenfalls nicht. Eine starke mechanische Überlastung kann aber Zähne und einen bereits geschwächten Zahnhalteapparat zusätzlich beanspruchen.

Wir sprechen über diese Faktoren nicht, um Schuld zu verteilen. Wir sprechen darüber, weil einige davon beeinflussbar sind – und weil Sie wissen sollen, an welchen Stellen Sie selbst Ihre Behandlung unterstützen können.

Wie entdecken wir eine Parodontitis?

Regelmäßige Taschenmessungen als Frühwarnsystem

Im Rahmen unserer professionellen Vorsorge untersuchen wir nicht nur die sichtbaren Zahnoberflächen. Wir kontrollieren auch das Zahnfleisch und messen in regelmäßigen Abständen die Tiefe der Zahnfleischtaschen.

Dabei zeigt sich erneut, warum eine konsequente Premium-PZR so wertvoll ist: Auffälligkeiten können erkannt werden, bevor lockere Zähne oder andere deutlich spürbare Beschwerden entstehen.

Die Landkarte Ihrer Zahnfleischtaschen

Zeigen sich verdächtige Bereiche, erstellen wir einen ausführlichen Parodontalbefund. Dabei messen und dokumentieren wir die Taschen an festgelegten Punkten rund um die Zähne.

So entsteht eine Art Landkarte des Zahnhalteapparats.
Sie zeigt uns:

  • wo vertiefte Taschen vorliegen, an welchen Stellen das Zahnfleisch blutet
  • ob Eiter austritt
  • welche Zähne bereits beweglich sind
  • wo Zahnfleisch zurückgegangen ist
  • welche Bereiche besonders intensiv behandelt werden müssen

Ergänzend fertigen wir die erforderlichen Röntgenaufnahmen an, um das vorhandene Knochenniveau zu beurteilen.

Dentalhygienikerin und Zahnarzt werten die Befunde gemeinsam aus und entscheiden, welche Therapie erforderlich ist.

Der Ablauf unserer Parodontitis­behandlung

1. Vorbereitung und Ursachenberatung

Vor der eigentlichen Taschenbehandlung schaffen wir saubere und möglichst entzündungsarme Ausgangsbedingungen.

Dazu gehören:

  • eine gründliche professionelle Reinigung
  • die individuelle Anleitung zur häuslichen Mundhygiene
  • Auswahl geeigneter Zahnbürsten und Zwischenraumbürsten
  • Besprechung relevanter Risikofaktoren
  • Ernährungsberatung
  • und, wenn erforderlich, die Empfehlung, allgemeine Erkrankungen ärztlich mitbeurteilen zu lassen.

Diese Vorbereitungsphase ist kein nebensächlicher Einstieg. Sie entscheidet wesentlich darüber, ob das Behandlungsergebnis anschließend stabil bleiben kann.

2. Reinigung der Zahnfleischtaschen

Die eigentliche antiinfektiöse Behandlung wird häufig als Kürettage bezeichnet. Fachlich sprechen wir von einer subgingivalen Instrumentierung: Die Wurzeloberflächen werden sorgfältig von bakteriellen Belägen und harten Ablagerungen gereinigt.

Bei uns erfolgt die Behandlung im Zusammenspiel von Zahnarzt und Dentalhygienikerin. Der Zahnarzt führt die erforderliche örtliche Betäubung durch. Anschließend reinigt die speziell qualifizierte Dentalhygienikerin die betroffenen Wurzeloberflächen und Zahnfleischtaschen systematisch.
Durch die Betäubung kann sie gründlich arbeiten, ohne dass die Behandlung für Sie unnötig belastend wird.

3. Biologische Unterstützung mit PRF

In geeigneten Fällen ergänzen wir die mechanische Reinigung durch PRF – Platelet-Rich Fibrin.
Dafür wird eine kleine Menge Ihres eigenen Blutes entnommen und so aufbereitet, dass ein Konzentrat aus Fibrin, Blutplättchen und körpereigenen Wachstumsfaktoren entsteht. Dieses Material bringen wir nach der Reinigung in ausgewählte Zahnfleischtaschen ein.
PRF soll die frühe Wundheilung biologisch unterstützen und dem behandelten Gewebe günstige Heilungsbedingungen bieten.

Es ersetzt weder die gründliche Taschenreinigung noch eine gute häusliche Mundhygiene. Auch kann es eine Neubildung verloren gegangenen Zahnhalteapparats nicht garantieren. Wir verstehen PRF als zusätzlichen körpereigenen Baustein innerhalb eines umfassenden Behandlungskonzepts.

4. Antibiotika nur bei strenger Indikation

Eine Parodontitis wird nicht routinemäßig mit Antibiotika behandelt. Die mechanische Entfernung des bakteriellen Biofilms bleibt die Grundlage der Therapie.
Bei besonders schweren, rasch fortschreitenden Erkrankungen und insbesondere bei jüngeren betroffenen Patienten kann eine begleitende systemische Antibiose sinnvoll sein. In ausgewählten Fällen verwenden wir eine Antibiotikakombination nach dem sogenannten Van-Winkelhoff-Protokoll.
Diese Entscheidung trifft der Zahnarzt nach sorgfältiger Abwägung. Dabei berücksichtigen wir Befund, Verlauf, Allgemeingesundheit, mögliche Allergien, Wechselwirkungen und den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika.

Nach der Behandlung

Die erneute Kontrolle nach der Behandlung

Nach etwa vier bis acht Wochen messen wir die Zahnfleischtaschen erneut und vergleichen den Befund mit der ursprünglichen Situation.

Wir prüfen:

  • Hat die Blutung abgenommen?
  • Sind die Taschen flacher geworden?
  • Ist noch Eiter feststellbar?
  • Hat sich das Gewebe stabilisiert?
  • Wie gut funktioniert die häusliche Reinigung?
  • Gibt es einzelne Bereiche, die noch einmal behandelt werden müssen?

Im besten Fall zeigt sich eine deutliche Verbesserung, und wir können unmittelbar in die langfristige Erhaltungsphase übergehen.
Bleiben einzelne entzündete oder vertiefte Taschen bestehen, behandeln wir diese gezielt nach. Nur selten ist in unserer Praxis ein offenes chirurgisches Vorgehen erforderlich.
Bei persistierenden eitrigen Taschen prüfen wir erneut die Ursache und das bisherige Vorgehen. Eine antibiotische Begleittherapie kann in besonderen Situationen erwogen werden, wird aber auch dann nicht automatisch eingesetzt.

Ist eine Parodontitis heilbar?

Eine oberflächliche Zahnfleischentzündung kann vollständig zurückgehen, wenn ihre Ursache beseitigt wird.
Hat eine Parodontitis bereits Faserapparat und Kieferknochen geschädigt, bleibt eine grundsätzliche Erkrankungsanfälligkeit bestehen. Unser Ziel ist dann, die Entzündung zu stoppen, die Taschen zu reduzieren und die Erkrankung langfristig stabil zu halten.

Eine erfolgreich behandelte Parodontitis kann über viele Jahre ruhig bleiben. Sie kann jedoch erneut aktiv werden, wenn sich bakterielle Beläge ansammeln oder persönliche Risikofaktoren verändern.
Deshalb sprechen wir nicht von einer einmaligen Reparatur, sondern von einer langfristigen gemeinsamen Aufgabe.

UPT – damit der Behandlungserfolg erhalten bleibt

Nach Abschluss der aktiven Therapie beginnt die unterstützende Parodontitistherapie, kurz UPT.
Bei uns findet sie in der Regel vierteljährlich statt. Dabei:
kontrollieren wir Zahnfleisch und Taschen,
erfassen Blutung und Entzündungszeichen,
entfernen bakterielle Beläge oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrands,
überprüfen die häusliche Mundhygiene,
passen Hilfsmittel und Reinigungstechnik an,
und behandeln auffällige Stellen frühzeitig nach.

Die UPT ist keine gewöhnliche Zahnreinigung. Sie ist die medizinisch notwendige Langzeitbetreuung einer behandelten Parodontitis.
Unser Anspruch als Praxis lautet: Wir kontrollieren regelmäßig und zuverlässig, damit ein Wiederaufflammen möglichst früh erkannt wird.

Ein paar Stunden bei uns – Tausende Stunden in Ihrer Hand

Selbst bei vier Terminen im Jahr verbringen Sie nur wenige Stunden in unserer Praxis. Den weitaus größten Teil des Jahres bestimmen Ihre täglichen Gewohnheiten, wie stabil das Ergebnis bleibt.

Besonders wichtig sind:

  • sorgfältiges Zähneputzen
  • tägliche Reinigung der
  • Zahnzwischenräume
    regelmäßige Verwendung der individuell passenden Hilfsmittel
  • Wahrnehmung der vereinbarten UPT-Termine
  • Nichtrauchen
  • gute Einstellung eines vorhandenen Diabetes
  • ausgewogene Ernährung
  • ein bewusster Umgang mit dauerhaftem Stress

Perfektion an einzelnen Tagen ist weniger entscheidend als Verlässlichkeit über Jahre.
Unsere Aufgabe ist es, Sie professionell zu behandeln, Veränderungen früh zu erkennen, immer wieder zu motivieren und nicht nachzulassen.

Ihre Aufgabe ist es, die gemeinsam entwickelten Maßnahmen im Alltag dauerhaft umzusetzen.

Parodontitistherapie funktioniert nur als Partnerschaft

Parodontitis ist keine angenehme Diagnose. Die Behandlung kommt häufig ungelegen, und die Notwendigkeit einer lebenslangen Nachsorge kann zunächst frustrierend wirken.
Aber die Erkrankung lässt sich heute in vielen Fällen sehr gut kontrollieren. Je früher sie erkannt wird und je konsequenter Behandlung, häusliche Mundhygiene und UPT ineinandergreifen, desto größer ist die Chance, die eigenen Zähne langfristig zu erhalten.

Dabei geht es nicht um Schuld und nicht um Belehrung. Es geht um eine ehrliche gemeinsame Entscheidung:
Wir stellen Wissen, Diagnostik, Behandlung und langfristige Aufmerksamkeit zur Verfügung. Sie bringen Ihre täglichen Gewohnheiten und Ihr Durchhaltevermögen ein.
Wir sehen Ihre Zähne nur ein paar Stunden im Jahr. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass sie Ihnen in allen übrigen Stunden möglichst lange erhalten bleiben.

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FEST Zahnärzte by Dr. Roland Horn
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